Zukunftsfähige Technoloigie aus Sulzbach-Rosenberg

Kraftstoff aus Bio-Abfall: Was sich wie eine Zukunftsvision anhört, ist in Sulzbach-Rosenberg schon seit Jahren Realität. Das Fraunhofer-Institut Umsicht entwickelte das zur Herstellung nötige thermo-katalytische Reforming TCR. Neben Kraftstoffen wird dabei Gas mit hohem Wasserstoffanteil produziert sowie nährstoffreiche Biokohle. FDP und die Freie Wählerschaft des Landkreises hatten nach Rosenberg zur Besichtigung des Instituts eingeladen. Als Gäste begrüßte 3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein den FDP-Bundestagsabgeordneten Lukas Köhler und den Weidener Landtagsabgeordneten Christoph Skutella. Frederik Betsch, Leiter der Kommunikation bei Fraunhofer Umsicht, erklärte, dass in Versuchsanlagen einsatzstoffspezifische Parameter ermittelt werden, auf deren Basis man Verwertungskonzepte erarbeitet sowie Marktstudien entwickelt. Eine Anlage, die täglich bis zu sieben Tonnen getrockneten Klärschlamm verarbeiten kann, läuft bereits in der Müllverbrennungsanlage Schwandorf. Die neue Klärschlammverordnung wird die Verwertung des Schlamms in der Landwirtschaft unterbinden. Hier öffnet sich also ein breites Anwendungsspektrum für dieses Verfahren. Klärschlamm habe übrigens den geringsten Heizwert, stellt also an die Anlage selbst die höchsten Anforderungen für den einwandfreien Betrieb.Wie der Abteilungsleiter Biologische Verfahrenstechnik, Fabian Stenzel, darlegte, können je nach Anforderung Anlagen konzipiert werden, die in einen Seecontainer passen, somit also auch mobil sind. Man könne sich zum Beispiel Großbrauereien vorstellen, bei denen der anfallende Treber verarbeitet werden könnte. Für solche Anwendungsszenarien wird derzeit auf dem Gelände eine weitere Versuchsanlage mit einer Kapazität von 500 kg/h aufgebaut.Ein weiteres Objekt entstehe aktuell im von der EU geförderten Projekt „flexJET“. Es gehe um die Gewinnung von hochwertigem nachhaltigen Flugkraftstoff nach dem TCR-Verfahren. Dazu erfolgte in Hohenburg im November 2018 der Spatenstich für den Neubau einer entsprechenden Demonstrations-Anlage. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2020 geplant. Fabian Stenzel: „Dieser Flugkraftstoff wird für vorhandene Antriebstechnologie entwickelt.“ Mit großem Interesse verfolgte der Abgeordnete Lukas Köhler die Ausführungen. Das Versuchsauto, das mit dem gewonnenen Bio-Kraftstoff bereits 3500 Kilometer zurückgelegt hat, bot ihm jedoch zu wenig Platz.Rohstoffverknappung und Umweltsituation auf unserem Planeten fordern dringend Lösungen. Deswegen sei es zu begrüßen, dass im Koalitionsvertrag der bayerischen Staatsregierung der Ausbau des Fraunhofer Instituts am Standort Rosenberg festgeschrieben ist, betonten die Gäste. In Rosenberg entstehen aus Zukunftsvisionen Realitäten.


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