Wir stärken das Handwerk

Eine handwerkliche Ausbildung muss den gleichen Stellenwert haben wie ein Studium: Das fordern die FPD-Abgeordneten Albert Duin (Landtag) und Daniel Föst (Bundestag) bei einer Podiumsdiskussion.

Heute wollen wir die Sorgen und Nöte aufdecken, die uns Handwerkern unter den Nägeln brennen“, sagte der FDP-Ortsvorsitzende und Zimmerermeister Christian Weiß zu Beginn der Podiumsdiskussion am Freitag im TV-Sportpark. Ein Handwerksmeister müsse ein Allrounder sein, der sich um sein Büro, den immer größeren Berg an Vorschriften und seine Mitarbeiter kümmere. „Das Handwerk ist uns wichtig“, betonte MdB Daniel Föst. „Denn ohne das Handwerk läuft bei uns gar nichts.“ In Deutschland herrsche ein riesiger Fachkräftemangel, dem man mit einem Akademisierungswahn nicht beikommen könne.

„Meister so wertvoll wie Master“

Einem gut ausgebildeten deutschen Handwerksgesellen mache so schnell keiner was vor. Für ihn sei ein Meister so wertvoll wie ein Master, betonte er und forderte eine rasche Entbürokratisierung in den Handwerksbetrieben. Auch Albert Duin, gelernter Elektro- und Flugzeugmechaniker, Inhaber eines Eletronikunternehmens sowie Fraktionssprecher für Wirtschaft, Energie und Tourismus, plädierte für einen besseren Stellenwert der handwerklichen Ausbildung. „Wenn heute 65 Prozent unserer Kinder ein Gymnasium besuchen, kann damit der Mangel an Fachkräften im Handwerk nicht gelöst werden.“ Ihm sei ein Hauptschüler aus Bayern lieber als ein Abiturient aus Bremen. Ein Handwerksgeselle müsse seine Meisterausbildung selbst bezahlen, der Student studiere kostenlos, fahre dann aber jahrelang Taxi. Für Duin geht es auch nicht an, „dass ein Handwerksmeister 90 Prozent seiner Arbeitszeit mit überzogener Bürokratie vergeuden muss“. Dietmar Lenk, Obermeister der Innung für Sanitär, Heizung und Klimatechnik, meinte, der Mangel an kompetenten und gut ausgebildeten Mitarbeitern sei nicht zu übersehen.

Die Nachwuchssituation im Handwerk sei dramatisch, an den Schulen werde zu wenig Werbung für eine handwerkliche Ausbildung gemacht. Die Handwerker kritisierten, dass die Lehrer selten auf der Seite des Handwerks stünden, vielfach rieten sie ihren Schülern von einer handwerklichen Ausbildung. Dr. Martin Pöllath befürchtete, der Fachkräftemangel im medizinischen Bereich könne sich zu einem gesellschaftlichen Problem entwickeln.

Daniel Föst befürwortete die Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften. Albert Duin meinte, man sollte Flüchtlingen erlauben, zu arbeiten: „Bei uns werden die falschen Personen abgeschoben. Nämlich die, die in Arbeit stehen, einen gemeldeten Wohnsitz haben und daher für die Behörden greifbar sind.“ In einer zentralen europäischen Arbeitsvermittlung sah Föst eine vernünftige Lösung.

Zurück zum Meisterbrief

Hinderlich für regionale Handwerksbetriebe seien europaweit geltende Ausschreibungsbedingungen, lautete ein weiterer Kritikpunkt. Diese hielten jeden mittelständischen Handwerker davon ab, sich an einer Ausschreibung zu beteiligen. Föst forderte außerdem die umgehende Wiedereinführung des Meisterbriefs. „Wenn wir Schulabgänger für eine handwerkliche Ausbildung motivieren wollen, müssen wir mehr Berufspraktika anbieten“, warf Hans-Jürgen Reitzenstein ein. Sein Berufspraktikum sei eine Woche Knochenarbeit in einem Steinbruch gewesen, das habe ihm nicht geschadet.

 

Dies ist der Artikel aus der Amberger Zeitung: https://www.onetz.de/oberpfalz/sulzbach-rosenberg/podiumsdiskussion-fdp-will-handwerk-staerken-id2893872.html

 


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