Städte blühen, Dörfer altern

Wohnungsmangel, Luftverschmutzung, Verkehrskollaps: Die Metropolen
platzen aus allen Nähten. Trotzdem zieht es die Jugend dorthin. Wer soll
sich in Zukunft um die Älteren auf dem Land kümmern?

"Die Bundes- und Landespolitiker haben den ländlichen Raum aus dem Auge
verloren! Es wird zu wenig in Landstriche investiert, die von Dörfern
und Kleinstädten geprägt sind", erklärte 3. Bürgermeister Hans-Jürgen
Reitzenstein zur Begrüßung des Bezirksvorsitzenden der Liberalen
Senioren, Horst Friedrich.
Die Bedeutung des Themas machte Friedrich gleich zu Beginn seines
Vortrags klar: 60 Prozent der Deutschen leben in Städten und Gemeinden
mit weniger als 50 000 Bürgern. Mehr Einwohner haben nur 200 von 11 300
Kommunen. Aber die ländlichen Regionen schrumpfen. Vor allem die Jugend
wandert ab. Die Gründe sind vielfältig: Es fehlt an attraktiven
Einkaufsmöglichkeiten, Kneipen und Kinos schließen, der öffentliche
Nahverkehr und das Internet lahmen.
"Deutschland ist gespalten in blühende, pulsierende Metropolen auf der
einen Seite und schwächelnde, vor allem überalternde ländliche Räume auf
der anderen", sagte Friedrich. Mehr Wohnungen in den Städten zu bauen,
könne doch keine Lösung sein. Wie kann man nun die immer älter werdende
Landbevölkerung mit Ärzten, öffentlichen Verkehrsmitteln, Pflegeplätzen
und anderem versorgen?
Friedrich stellte dazu die Forderungen der Liberalen Senioren an die
Politik vor: Verbesserung der Ärzteversorgung auf dem Land, neue
Konzepte für öffentlichen Nahverkehr, Werbeoffensiven,
Grundversorgungspflicht für Sparkassen.
In der Diskussion stellte FDP-Landtagskandidat Kilian Taubmann die
Versorgung mit schnellem Internet und Mobilfunk auf dem Land als
zentrales Zukunftsthema heraus. Viele Dienstleister könnten problemlos
auf dem Dorf arbeiten, wenn die Infrastruktur stimme. Hier sei
Deutschland gegenüber vielen anderen Ländern weit zurück.
FDP-Bezirkstagskandidat Christian Weiß fasste zusammen: "Wenn wir auf
dem Land die Bedingungen für die Älteren verbessern, wird das Land auch
für die Jüngeren attraktiver!" Damit wäre dann nicht nur das Problem der
Betreuung Pflegebedürftiger im ländlichen Raum lösbar, es wäre auch ein
Beitrag zur Bewältigung der Wohnungsnot in den Großstädten.

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