Stadtentwicklung heißt auch, sich auf die Geschichte zu besinnen

Graue Mauern, kaum Fenster, an der Nordseite ein mit Glasbausteinen vermauertes ehemaliges Tor: Ein Schmuckstück ist er wirklich nicht, der sogenannte Scherlingstadel direkt gegenüber der Feuerwehr an der Bayreuther Straße. Aber der Fachmann sieht einen ehemaligen städtischen Zehentstadel aus dem 17. Jahrhundert, der großen Zeit der Sulzbacher Herzöge. Hier lagerte man die Steuern der Stadtbauern, die damals in Form von Getreide und anderen landwirtschaftlichen Produkten geleistet wurden. „Wirtschaftsgebäude aus dieser Zeit sind nur noch sehr selten erhalten“, ergänzte Edith Zimmermann, die als Leiterin des Stadtmuseums für das Gebäude zuständig ist, das derzeit als Museumsdepot genutzt wird.

Bei der anschließenden Besichtigung konnten sich die Kommunalpolitiker überzeugen, dass der Bauzustand trotz des Alters von fast 500 Jahren und des minimalen Unterhalts der letzten Jahrzehnte immer noch ziemlich gut ist. Die Balkenkonstruktion ist ungezieferfrei, was Hensch darauf zurückführt, dass in der Bauzeit viel mehr Wert auf erstklassiges Bauholz gelegt wurde als heute. Außerdem sind die Balken durch Überblattungen formschlüssig miteinander verbunden. Sie können also nicht durch rostende Nägel oder brechende Zapfen geschwächt werden.

Allerdings ist der Stadel für die Museumsleiterin ein Sorgenkind: Es gibt keine Heizung, keine Feuchtigkeitskontrolle und auch Ungeziefer mit zwei, vier, sechs oder acht Beinen kann sich ungehindert breitmachen. Dadurch sind die im Depot gelagerten Archivalien akut gefährdet.

Eine Sanierung des Scherlingstadels wäre für den Stadthaushalt günstiger als eine Verlagerung des Depots, meint die Museumsleiterin. Für die Instandsetzung des historischen Gebäudes würden Geldmittel vom Land Bayern und verschiedenen Stiftungen zur Verfügung stehen. In einem ähnlichen Fall in der Gemeinde Train (Opf.) lag die Förderquote schließlich bei über 80 %. Die Neueinrichtung des Museumsdepots in anderen Räumlichkeiten würde also teurer.

Die Stadtratsfraktion von FDP und FWS hat sich entschieden, die Sanierung zu unterstützen. „Der historische Wert des Scherlingstadels und die wesentlich besseren Fördermöglichkeiten geben den Ausschlag für die Sanierung“, meinte 3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein. Die Stadträte werden die Angelegenheit in den kommenden Monaten vorantreiben.


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