Noch zehn Jahre Warten auf den Strom

Artikel in der SRZ vom 18.03.19

FDP-Kreisverband diskutiert mit MdB Katja Hessel die Elektrifizierung der Bahnstrecke Nürnberg-Schwandorf Sulzbach-Rosenberg. (ge) Die Elektrifizierung
der Bahnlinie von Nürnberg nach Schwandorf ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 eingeplant. Umweltfreundlicher Betrieb und schnellere Beförderungsmöglichkeit
seien positive Verbesserungen, heißt es. Wie sehen jedoch die Nachteile wie die Lärmbelästigung durch höheres Verkehrsaufkommen
aus? Zu dem Thema hatte der FDPKreisverband die Bundestagsabgeordnete Katja Hessel eingeladen. Die hat nämlich Erfahrung mit dem Thema. Von 2008 bis 2013 arbeitete
sie im bayerischen Verkehrsministerium bei Martin Zeil. „Und aus dieser Zeit habe ich jetzt viele Projekte wieder entdeckt“, schildert sie ihre
Arbeit in Berlin. Kreisvorsitzender Christian Weiß hatte die Parlamentarierin mit einer kleinen Delegation stilgerecht am Bahnhof abgeholt. Er begrüßte FDP-Vertreter aus Schwandorf,
Neumarkt und Amberg. 131 Kilometer lang ist die Strecke Nürnberg-Amberg-Pilsen, und für ihre Elektrifizierung seien rund 700 Millionen Euro im Bundesverkehrswegeplan
eingestellt. Vier Haltepunkte im Landkreis für die vielen Hundert Pendler nach Nürnberg und Regensburg gebe es, bilanzierte Weiß, und fragte Hessel nach den Vor- und
Nachteilen einer Elektrifizierung. „Wenn man Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen will, braucht man eine moderne Schienen-Infrastruktur“, schickte Hessel voraus.
Endlich sei die Strecke in den „vordringlichen Bedarf“ aufgenommen, die Planungen von Freistaat und Bahn könnten anlaufen. Aber bis zu einer Realisierung würden wohl noch
mehr als zehn Jahre ins Land gehen. Elektrifizierung bedeute, die Strecke mit einer Stromversorgung per Oberleitung auszustatten, damit ELoks eingesetzt werden könnten. Auf
tschechischer Seite etwa sei dies schon lange bis fast zur Grenze erfolgt, nur Bayern hinke hier stark hinterher. So könne man nicht mit ELoks von Nürnberg nach Dresden
fahren – „mehr als peinlich“, so die ehemalige Staatssekretärin. Die dringende Notwendigkeit des Handelns unterstrich auch Martin Pöllath, nachdem nun 50 Jahre nichts geschehen
sei. Im Pegnitztal etwa, erklärte Hessel, sei ein Umbau wegen der zahlreichen denkmalgeschützten Brücken extrem schwierig. Hans-Jürgen Reitzenstein betonte die Wichtigkeit
eines besseren Regionalexpress- Anschlusses für die Stadt. In Konkurrenz zur S-Bahn sei dieser wichtiger. Schon vor fünf Jahren habe ihm Martin Zeil die Aufnahme der Strecke in
den Plan zugesichert. Der Lärmschutz sei inzwischen unabdingbarer Teil jeder Planung, sowohl bei den eingesetzten Waggons als auch bei der Schiene selbst. Vor allem bei langen
Güterzügen sei dies auch dringend nötig. Andere Antriebe für Loks mit alternativen Energien oder ELoks mit Wasserstoffmotor seien technisch nicht so weit.
Etzelwangs Bürgermeister Roman Berr wollte wissen, ob das als Bergstrecke gebaute Stück zwischen Hartmannshof und Neukirchen überhaupt elektrifizierbar sei – „in der
Grobplanung schon“, erklärte die Expertin. Eine Anwohnerin aus Sulzbach-Rosenberg klagte über zunehmenden Lärm durch Güterzüge.
„Diese Strecke wird nie Haupt-Güterstrecke werden, eher Ausweichstrecke bleiben“, versicherte Katja Hessel, die diese Sorgen mitnehmen will und der Frau zum Kontakt mit der
Bahn riet. Ihre Hausaufgaben: Fragen an die Bayerische Eisenbahngesellschaft wegen der Taktung, Lärmschutz-Sorgen weitergeben und bessere Regionalexpress-Anbindung.
„Passagierverkehr funktioniert nur mit vernünftiger Taktung“ schloss die Bundestagsabgeordnete und machte sich wieder auf den Weg zum Bahnhof. Auch wenn sie selbst manchmal
so ihre Schwierigkeiten mit der Bahn hat, wie sie zugab.


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