Das Krankenhaus-Sterben auf dem Land geht weiter. Was man dagegen machen kann, diskutierte MdB Prof. Dr. Andrew Ullmann (FDP) im Sulzbach-Rosenberger St.-Anna-Krankenhaus mit örtlichen Medizinern und Klinik-Vertretern.

So viel geballten Sachverstand konnte FDP-Ortsvorsitzender Christian Weiß zur Podiumsdiskussion mit dem Bundestagsabgeordneten Andrew Ullmann (FDP) im St.-Anna-Krankenhaus begrüßen, dass gar nicht alle auf dem Podium Platz hatten, so dass die Diskussion auch aus dem Zuschauerraum geführt wurde.

Ullmann war 30 Jahre lang als Arzt im Krankenhaus tätig, so dass er die Gesundheitspolitik sowohl von der gesetzgebenden als auch von der ausführenden Seite kennt. Moderator Dieter Bleisteiner, in der Region als Redakteur von Radio Ramasuri bestens bekannt, fragte gleich zu Beginn direkt: „Hat das St.-Anna-Krankenhaus eine Chance zu überleben?“

Der Gast aus Berlin mahnte eine Reform der Krankenhausfinanzierung an: „Was fehlt ist ein ordnungspolitischer Rahmen!“ Eine Unterversorgung im ländlichen Raum gehe einher mit einer Ärzteschwemme in den Großstädten. Die duale Finanzierung des Gesundheitswesens – Investitionen von den Ländern und laufende Kosten von den Krankenkassen – funktioniere nicht mehr, weil insbesondere die Länder ihren Verpflichtungen nicht nachkämen.

Entfernung als Problem

Krankenhausvorstand Klaus Emmerich vom St.-Anna-Krankenhaus betonte den Wert der wohnortnahen Versorgung: „Oft ist entscheidend, wie schnell ein Patient überhaupt ins Krankenhaus kommt!“ Viele weniger schwer Erkrankte hätten auf dem Land Schwierigkeiten, weit entfernte Krankenhäuser überhaupt zu erreichen, weil die öffentlichen Verkehrsmittel fehlten. Und schließlich brauche nicht jeder Patient mit Lungenentzündung das Leistungsspektrum einer Universitätsklinik.

Klinikvorstand Manfred Wendl vom Klinikum Amberg brach eine Lanze für regionale Kooperation: „Wir haben gute Möglichkeiten, gemeinsam leistungsfähige Strukturen aufzubauen.“ In die gleiche Kerbe hieb auch der Amberger Chirurgie-Chefarzt Dr. Robert Bauer: Es gebe immer mehr Erkrankungen, die nur noch behandelt werden dürfen, wenn eine Mindestzahl von Fällen überschritten ist. „Wenn wir uns da gegenseitig Konkurrenz machen, führt das nur dazu, dass keines der beiden Häuser die Mindestfallzahl erreicht“, warnte Bauer. Dr. Sven Mörk, Leiter des ärztlichen Notdienstes in Amberg-Sulzbach, stellte fest, dass die Kooperation auf der fachlichen Ebene längst funktioniere. Das Problem sei die starre Sektorengrenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, die immer wieder zu Problemen führe.

Mangel an Fachärzten

Dr. Martin Pöllath, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands, stellte fest, dass es ohne sektorenübergreifende Zusammenarbeit gar nicht gehen werde: „Allein der drastische Mangel an Fachärzten wird dazu führen, dass die Kliniken einen Teil der fachärztlichen Versorgung übernehmen müssen.“ Er selbst suche bisher vergeblich einen Nachfolger für seine eigene Praxis: „Der Facharztmarkt ist leergefegt!“

Emmerich kritisierte die Gesundheitspolitik und fasste seine Sicht zusammen: „Die Politik entscheidet nicht über notwendige Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum, sondern schaut zu, wie die ökonomische und strukturelle Notsituation – losgelöst vom Bedarf der Bevölkerung – kleine ländliche Krankenhäuser sterben lässt.“ Ullmann wünschte sich für die Zukunft einen klareren ordnungspolitischen Rahmen: „Krankenhäuser sollen nicht einfach so geschlossen werden.“ Ambulante und stationäre Versorgung sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden, und auch die Menschen, die im Gesundheitswesen tätig sind, sollten gesund und zufrieden leben können.

 

Der Bericht stammt aus der SRZ vom 20.09.19

https://www.onetz.de/oberpfalz/sulzbach-rosenberg/krankenhaus-diskussion-politik-schaut-beim-sterben-id2849209.html


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