FDP bei Handel und Handwerk

Klein ist das Häuschen in der Frühlingsstraße, in dem Andreas Stief seine Werkstatt hat. Das ganze Erdgeschoss wird vom Verkaufs- und Anmessraum eingenommen. Die Werkstatt im Obergeschoss ist vollgestellt mit Regalen und Schränken. Man möchte kaum glauben, dass hier regelmäßig fünf Menschen arbeiten. Aber in dieser kleinen Werkstatt werden in hundertprozentiger Handarbeit aus zertifizierten Rohmaterialien Spezialschuhe gefertigt, mit denen Menschen gehen und sogar tanzen können, die sich vorher aufgrund von Krankheit oder Verletzungen nur mühsam vorwärtsschleppen konnten.

Der erste Schritt ist die Anfertigung des Leistens. Dazu wird heute ein Gipsabguss des Fußes hergestellt, der dann mit einem speziellen Hartschaum ausgegossen und fein geschliffen wird. Die Qualität dieses Leistens ist das A und O bei der Orthopädie-Schuhmacherei. Nur wenn der Leisten stimmt, passt der Schuh. Verändert sich der Fuß, muss der Leisten angepasst werden. Über den Leisten wird dann Leder gezogen, manchmal in mehreren Schichten verklebt. Das Außenleder wird schließlich an der Innensohle festgenagelt. Bei Farbe und Schnitt des Schuhs wird nach Kundenwunsch gegangen – es soll schließlich möglichst nicht zu sehen sein, dass der Träger einen Orthopädieschuh anhat.

Spezialwerkzeug für den Schuhmacher ist im Fachhandel nicht mehr erhältlich – wie gut, dass Zangen und Hämmer bei sachgemäßem Gebrauch praktisch ewig halten. Aber eine Erweiterung des Betriebes wäre schwierig, auch wenn der Chef sagt: „Wir könnten noch ein bis zwei qualifizierte Leute brauchen. Arbeit ist genug da!“ Die Kundschaft kommt aus über 100 km Umkreis, und „schwierige Fälle“ werden von der Unfallversicherung gezielt zu Stief geschickt. Das einzige, was dem Meister seinen Beruf vergällen kann, ist die Bürokratie: Dokumentationspflichten, Sicherheitsvorschriften und Überprüfungen der Sozialversicherungen kosten immer mehr Zeit. „Wozu muss ich die Leisten eines Verstorbenen sechs Jahre aufbewahren? Der kommt doch nicht mehr“, sagt er.

Hier konnten die Kommunalpolitiker natürlich keine Abhilfe versprechen. 3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein bedankte sich aber im Namen aller Teilnehmer bei Stief für den interessanten Einblick in sein Unternehmen. „Sie haben für Sulzbach-Rosenberg schon eine Alleinstellung“, sagte er anerkennend.


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